
Oder besser gesagt: Evan Hunter, sein eigentlicher Name.
Ein Mann mit vielen Pseudonymen – aber für mich wird er immer Ed McBain bleiben.
Sein erster Roman erschien 1952, in meinem Geburtsjahr. Kurz darauf schrieb er die Romanvorlage für den berühmten Film Saat der Gewalt, der ihn über Nacht bekannt machte. Doch seine wahre literarische Heimat fand er in einer Serie, die mich bis heute beeindruckt: den Romanen um das Polizeirevier 87.
Über fünfzig Bände umfasst diese Reihe – und sie ist weit mehr als klassische Polizeiarbeit. McBain hat eine ganze Stadt erfunden, eine fiktive Metropole mit guten und schlechten Vierteln, Straßen, Brücken, Flüssen, einem eigenen Klima. Diese Stadt lebt – über Jahrzehnte, durch die Bücher hinweg. Und das mit einer Konsequenz, die ich nur bewundern kann. Er muss eine riesige Karte gehabt haben, auf der er alles festgehalten hat. Eine literarische Welt, die so real wirkt, dass man sie zu kennen glaubt.
Was mich besonders fasziniert: seine Figuren. Keine Helden, sondern Menschen. Polizisten, die zweifeln, irren, scheitern – und trotzdem weitermachen.
In dieser Mischung aus Menschlichkeit und Präzision liegt für mich das Geheimnis seines Erfolgs.
Und dann gab es da noch die Fernsehserie, die auf der „87th Precinct“-Reihe basierte. Ich erinnere mich gut daran – als Kind habe ich sie gesehen, fasziniert von der rauen Atmosphäre und den Charakteren, auch wenn ich damals noch nicht ahnte, wie stark mich McBains Bücher später fesseln würden. Die Serie mag heute überholt wirken, aber sie trug wesentlich dazu bei, McBain einem breiten Publikum bekannt zu machen.
McBain hat über hundert Bücher geschrieben, viele unter verschiedenen Namen. Aber das 87. Revier ist sein Vermächtnis.
Er hat gezeigt, dass man Spannung und Realismus vereinen kann, ohne den Leser zu verlieren – und dass eine erfundene Stadt glaubwürdiger sein kann als manch echte.
Ich werde später vielleicht noch etwas über die wiederkehrenden Figuren dieser Reihe schreiben, denn auch sie verdienen es, einzeln vorgestellt zu werden.
Aber fest steht für mich: Ed McBain gehört zu den ganz Großen.
